Karrierelücken im Top-Management: Wo liegt die Grenze?
- Martina Mosebach
- 9. Juni
- 2 Min. Lesezeit
Viele Klienten fragen im Coaching, wann eine Unterbrechung der Beschäftigung nicht mehr vertretbar ist. Gibt es einen speziellen Zeitraum? Fangen wir vorne an und mit der Realität, denn heute hat sich einiges geändert.
Erst einmal zur Beruhigung: Eine Analyse von 1,8 Mio. Lebensläufen zwischen 2022 und 2025 zeigt, dass Career Gaps längst keine Ausnahme mehr sind: 2025 hatten 30 % der Lebensläufe eine Lücke von 12 Monaten oder mehr.
Experten beobachteten, dass Personalverantwortliche zunehmend weniger streng mit Lücken umgehen - sofern die Kandidierenden transparent sind und ihre Qualifikationen und Stärken überzeugend darstellen.
Für Fachkräfte und Nachwuchsmanager mag eine solche Lücke oft kein Hindernis sein - denn häufig lassen sich Gründe wie Weiterbildung, Neuorientierung, Pflegezeiten oder Elternzeit gut erklären. Aber wie sieht es aus, wenn es um führende Positionen geht - mit hoher Einsatzbereitschaft, Verantwortung und unter Umständen großer Sichtbarkeit?
✦ Denn Führungspositionen an der Spitze eines Unternehmens sind stark umkämpft. Personalentscheider achten hier sehr genau auf mögliche Schwachstellen im Werdegang. Unbegründete längere Unterbrechungen werden nicht selten als mangelnde Motivation oder reduzierte Leistungsfähigkeit gewertet.
✦ Dennoch: Führungskräfte, die offen und reflektiert mit Unterbrechungen umgehen und im Lebenslauf glaubwürdig darlegen, wie sie diese Zeit genutzt haben - z. B. für Weiterbildung, Selbstreflexion für die nächste anstehende Führungsposition, ein Sabbatical mit strategischer Neuorientierung -, finden zunehmend Verständnis. Vor allem sollte im Executive Lebenslauf eine gute sprachliche Erklärung gefunden werden.
Wie man Karrierelücken konstruktiv kommuniziert – gerade als Manager:
Transparenz: Lücke nicht verschweigen, sondern proaktiv und ehrlich erklären und herausstellen, welcher Gewinn aus der Unterbrechung gezogen wurde.
Fokus auf Erwerb relevanter Kompetenzen bzw. auf persönliche Entwicklung, die Führungskompetenzen stärkt.
Ergebnisse und Erfolge hervorheben - Unternehmen interessieren sich vor allem für den nachweisbaren Impact. Eine Lücke verschwindet dann hinter der überzeugenden Performance.
Gute Storyline: Zeigen, warum gerade diese Pause stärker, reflektierter oder strategisch wertvoller gemacht hat.
Fazit: Für Führungskräfte kann eine Lücke im Lebenslauf - je nach Länge, Kontext und Kommunikation - entweder eine Herausforderung oder eine Chance sein. Entscheidend ist, wie man sie nutzt und erklärt. Mit Klarheit, Selbstbewusstsein und Fokus auf Stärken und Leistungen kann auch ein „Gap“ zum Teil einer überzeugenden Führungskarriere werden.



Kommentare